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Sie saß zusammengekauert auf der Couch. Eine Decke lag sanft über ihre Schultern und drohte hinunter zu fallen. Eine Tasse Pfefferminz- Tee blies warmen Dampf in Ihr Gesicht. Sie hatte ihr Kinn auf die Knie gestützt und hielt die Tasse fest in den Händen. Ihre Hose war durchnässt und ihr Gesicht funkelte, als die Sonne sich in den Tränen, auf Anjus Wangen widerspiegelte. Im ganzen Haus war nichts zu hören, außer dem Schluchzen, was sich einfach nicht unterdrücken ließ.

Anju holte tief Luft. Mit einem Ruck stieß sie den Block, der neben ihr lag mit den Zehen von der Couch. Die stelle an dem der Fuß vor dem herunter stoßen des Blockes stand, war beim aufsetzen des Fußes wieder kalt. Ein Schauer lief über ihren Rücken.

Mit einem Mal, fiel die Tasse Tee zu Boden und zersplitterte in hunderte kleine Scherben. Sie zuckte unter dem schreck zusammen. Einen Moment lang, machte sie keine Bewegung. Dann stand sie auf und ging in den Flur. Mit einer sanften Handbewegung, brachte sie die Decke, die von den Schultern zu rutschen drohte, wieder in Position. Anju setzte sich auf die Treppe und zog sich die Schuhe an. Dann legte sie sich einen Schal um und zog Handschuhe an. Zuletzt zog sie sich Ihren Weinroten Wintermantel an. Wegen Ihrer sanften Handbewegungen hätte man meinen können, dass Sie Angst hätte Ihn zu zerknittern. Sie ging zur Tür hinaus und zog sie hinter sich, leise zu.

Eine Decke von Schnee lag über dem ganzen Dorf. Die vereisten Bäume glitzerten, im Schein der Sonne. Anju zog eine Spur in den Frisch gefallenen Schnee. Sie stellte ihn sich flauschig und weich vor. Wie eine fluffige Wolke, dachte sie. Mit schlurfenden Schritten, lief sie den grad noch erkennbaren Weg entlang, der auf den Hügel führte. Ein riesig großer Baum war von hier aus, dort oben zu erkennen. Nach einer weile konnte man etwas erkennen was aussah wie ein Stein und eine Bank die unter dem Baum stand. Anju stoppte, hielt einen Moment inne. Sie zog sich die Handschuhe aus und wischte sich mit einer Hand durch das Gesicht. Es war ganz Nass von den vielen tränen und wirklich sehr kalt. Sie rieb ein wenig ihre Hände. Dann zog sie sich ihre Handschuhe wieder an und lief zur Bank. Sie setzte sich darauf und starrte auf die Weiße Schneedecke die unter ihren Füßen lag. Als sie sich nach vorne beugte tauchten kleine Punkte auf, die von ihren fallenden Tränen in den Schnee gezeichnet wurden. Sie öffnete die schleifen ihrer Schuhe, lockerte sie und zog sie vorsichtig aus. Dann stellte sie diese ordentlich neben die Bank und legte ihre Socken dazu.

Anju setzte vorsichtig ihre Füße in den Schnee und stand auf. Ihr Mantel und Ihr Schal landeten im Schnee. Sie machte ein Paar schritte vorwärts und fühlte, wie der Schnee unter ihren Füßen nachgab und schmolz. Es war ein so unglaublich schönes Gefühl. Sie fühlte sich frei und dazu fähig alles zu tun, was sie tun wollte. Es gab ihr Kraft und Sie ignorierte die Kälte, die langsam Ihre Füße hinauf kroch.

Anju stand unter dem Baum und ließ sich langsam zu Boden fallen. Sie hockte sich hin und kauerte sich zusammen, wie auf der Couch. Dann zog sie sich Ihre Handschuhe aus und schloss ihre Arme fest um ihre herangezogenen Beine. Sie drückte ihr Gesicht zwischen ihre Knie. Ihr Herz schlug so fest, das Sie meinte, es könnte jeder hören, der nur in die Nähe des Hügels kam. Ein Dicker Kloß setzte sich in Ihren Hals fest und Sie versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken. Man hörte ein leises Wimmern.

Anju fühlte, wie Ihre Hose sich mit Tränen füllte, dort wo ihre Wimpern die Knie berührten. Sie ließ Ihre Arme sinken und ließ ihre Finger in den Schnee gleiten. Ein kleiner Stein bohrte sich in Ihren Mittelfinger und piekte Sie. Aber es störte Sie nicht. Noch fester presste sie den Schnee in Ihrer Hand zusammen. Ihre Füße fühlten sich ein wenig taub an. Es kribbelte bis in die Oberschenkel, genau wie in den Armen. Nun konnte sie das Schluchzen nicht mehr unterdrücken. Sie weinte, laut. Unverständliche Worte drangen zwischen Ihre Lippen hervor. Ein Schauer lief Ihr über den Rücken, bis in den Nacken hinauf. Ihre Stimme wurde klarer und man hörte sie murmeln:

„Ich kann doch so nicht weiter leben…Wie soll das funktionieren?“ Sie schüttelte vorsichtig mit dem Kopf und fühlte ein Stechen in Ihrer Brust.
„Es ist, als hätte mir jemand meine Seele genommen.
Es ist, als würde ich meinen Verstand verlieren.
Es wurde mir genommen, mein Lächeln, mein Glück, meine Wärme, mein Leben.
Du wurdest mir genommen. Das ist nicht fair…
Das weiß jeder. Ich brauche dich um Leben zu können, du bist mein Leben.
Du bist alles was ich brauche und jemals gebraucht habe.
All das, das kann doch nicht wahr sein. Wieso tut man mir das an?!“
Sie hielt einen kurzen Moment den Atem an und fing noch fester an zu weinen.
„Was habe ich nur getan? Wieso ignoriert man meine Bitten und mein Flehen?
Wieso kann es nicht einfach sein wie vor einem Monat. Wo wir noch nebeneinander einschliefen.Wo wir zusammen aufwachten und unsere freie Zeit genossen? Wieso kann es denn nicht einfach wieder so sein…?“
Ihre Stimme hörte sich dumpf an, Traurig, angeschlagen und erkältet.
Sie richtete Ihren Kopf auf. Ihr Blick fiel auf einen Stein. Einen Grabstein.

„Geliebter Mann,
Geliebter Sohn,
Geliebter Engel…
Wir vermissen dich“

Kein Name, nur ein Brief der da lag, von Schnee bedeckt.

Anju nahm ihn in die Hand und betrachtete ihn eine Weile. Die Tränen rannen über Ihr Gesicht, wie Bäche, die sich nach einer Flut füllten. Mit einer kurzen Bewegung wischte sie sich ihre Augen an ihren Knien und öffnete den Brief…

 

Liebster Engel,
wo auch immer du bist, ich bin bei dir, ich halte deine Hand.
Du weißt, ich muss von dir gehen, aber ich bin noch immer bei dir.

Ich werde deine Träne sein, wenn du Traurig bist!

Ich werde dein Lächeln sein, wenn du Glücklich bist!

Ich werde deine Faust sein, wenn du Wütend bist!

Ich bin in deinem Herzen und dort werde ich IMMER sein.
Du musst Leben mein Engel.
Du musst den Menschen zeigen, dass du da bist und es dir gut geht.

Bitte, beweise mir, dass du auch ohne mich unsere Träume erfüllen kannst.

Ich werde dich beobachten, von unserer weichen Wolke, die wir zusammen sahen, am ersten schönen Sommertag letzten Frühling. Ich werde dich von unserem Stern beobachten, den wir ganz allein entdeckten, in der Regnerischen Nacht im Herbst. Ich werde immer ein Auge auf dich haben, egal wo du bist und hingehst.

Ich werde dich niemals vergessen.

Vergiss du mich bitte auch nie, doch Lebe dein Leben und werde wieder Glücklich.
Trockne deine Tränen und steh auf, trauere nicht mehr. Ich denke an dich.

Ich liebe dich Engel! Für immer und ewig! Versprochen!

Dein, dich immer liebender Mann...

 

Anju schluchzte laut. Sie spürte den Kloß im Hals verschwinden.

Ihr Mann wusste dass er starb. Er starb an Krebs. Sie hatten es vor 8 Monaten erfahren. Aber er würde bei Ihr sein sagte er immer, auch wenn er von Ihr gehen würde. Er bat um ein Namenloses Grab an seinem Lieblingsplatz, das er auch bekam. Es war so viel Arbeit gewesen. Aber er hatte es selbst übernommen, denn er hatte sich lange damit abgefunden.

Er hatte Ihr einen Brief geschrieben. Sie wollte Ihn nicht öffnen. Die Mutter Ihres Mannes hatte ihn hier vermutlich hingelegt, in Folie eingewickelt, nachdem Anju ihn abgelehnt hatte. Sie dachte der Schmerz wäre zu groß, als er vor einem Monat von Ihr ging. Sie wollte sich nicht damit abfinden, und so ein Brief hätte es ihr einfach noch klarer gemacht.

Doch jetzt war es anders. Sie wusste, es war der passende Tag um den Brief zu lesen. Sie würde Ihn nie vergessen und immer an seine Worte denken. Er würde für immer die Liebe ihres Lebens bleiben und der Mann Ihrer Träume. Sie richtete sich auf, die Sonne schien. Ein Lächeln brachte Ihre Lippen hervor. Denn Ihr Blick war zum Himmel gewandt, wo sie die erste Wolke dieses Wunderschönen Tages sah...

geschrieben von: Kary L.




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